Departmental Bulletin Paper フリードリヒ・ヴィークの音楽教育法 : 〈啓蒙〉の二面性に着目して
Friedrich Wiecks Musikpädagogik : Zwei Seiten der „Aufklärung“
フリードリヒ ヴィーク ノ オンガク キョウイクホウ : ケイモウ ノ ニメンセイ ニ チャクモク シテ

杉山, 真佑美

(21)  , pp.123 - 147 , 2017-03-01
ISSN:18817351
NCID:AA11187452
Description
In dieser Arbeit wird die Musikpädagogik Friedrich Wiecks (1785-1873), der Vater und Klavierlehrer von Clara Wieck-Schumann (1819-1896) war, unter zwei Aspekten bzw. Seiten der „Aufklärung“ erörtert. In der Zeit, in der Wieck während neun Jahre als Hauslehrer tätig war, nachdem er sein Theologiestudium abgeschlossen hatte, war er von aufklärerischen Pädagogen, wie Rousseau, Basedow und Pestalozzi, beeinflusst worden und wendete später deren Erziehungsmethode auf seine eigene Praxis des Klavierunterrichts an. Die Aufklärung setzt voraus, dass die Menschheit durch die klärende Arbeit der freien und auf sich selbst gestellten Vernunft zu ihren wahren Möglichkeiten geführt werde. Die Menschheit, die sich durch die Erziehung Vernunft erwerben sollte, versank jedoch in eine Art von Barbarei, wie die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts zeigen. Wie Horkheimer und Adorno in ihrer philosophischen Untersuchung „Dialektik der Aufklärung“ aufzeigen, hat die Aufklärung eine Doppeldeutigkeit bzw. Dialektik. Der vorliegende Aufsatz bezweckt, diese Dialektik als den der Aufklärung innewohnenden Widerspruch auf dem Gebiet der Erziehung vom Ende des 18. bis zum 19. Jahrhundert zu betrachten und Wiecks Musikpädagogik in diesen Kontext zu stellen. Die aufklärerischen Pädagogen im 18. Jahrhundert handeln von der Natur, nämlich von der Natur des Kindes. Rousseau, der Entdecker des Kindes, unterscheidet beispielsweise fünf Entwicklungsstadien der Kinder. Auch Wieck formt ein „5 Stufenmodell“ für die musikalische Erziehung und legt besonders darauf Gewicht, auf die „Individualität“ der Kinder zu achten. In seiner Schrift „Wöchentliche Bemerkungen über den Schüler Emil von Metzradt“ (1809) erwähnt er als Hauslehrer drei hauptsächliche Erziehungsmethoden für Kinder, nämlich die „körperliche, intellektuelle und moralische Erziehung“. Hier nennt er auch Namen bedeutender Pädagogen wie August Hermann Niemeyer und Joachim Heinrich Campe, der, ebenso wie Basedow, ein Philanthrop war. In diesem Punkt, dass der Lehrer auf naturgemäße Weise die dem Zögling gegebene Anlage und Fähigkeit bilden soll, stimmt einerseits seine Erziehungsmethode mit der der aufklärerischen Pädagogen, mit Rousseau und mit den Philanthropen wesentlich überein. In den späten 1970er Jahren nannte Katharina Rutschky jedoch die aufklärerische Pädagogik des 18. Jahrhunderts kritisch eine „schwarze Pädagogik“, da die sich im Prozess der Zivilisation entwickelnde Vernunft eine „falsche“ Tendenz habe. Auch Wieck entwickelt gegen die aufklärerische Pädagogik gewisse Vorbehalte: So ist er in seiner Schrift „Klavier und Gesang“ (1853) gegen die mechanische Übung mit Geräten, wie etwa dem „Chiroplast“ von Logier, die sich die Ausbildung von gleicher Kraft in allen Fingern zum Ziel setzt, kritisch eingestellt, weil die automatischen Wiederholungsübungen nur ein oberflächliches Spielen hervorbringen würden. Und auch die Aufführung der Virtuosen, die ab etwa 1830 auftraten, kritisiert er, weil dieses virtuose Spielen nur ihre eigene Technik offen zeigen würde und nicht musikalisch sei; und er nennt ihr Spielen: „entgegengesetzte Schönheit“, „häßliche Schönheit“. Die Übung mit Geräten und die Aufführung der Virtuosen sind auf die Fortschritte der Wissenschaft zurückzuführen. Horkheimer und Adorno zufolge sei „die Entwicklung der Maschine“ in die „Herrschaftsmaschinerie“ umgeschlagen, und dadurch verkümmere die Vorstellungskraft und Spontaneität der Menschen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Fortschritte der Wissenschaft nicht nur Vorteile gebracht haben, sondern auch zum Verlust der Empfindungen und der Einbildungskraft der Menschen beigetragen haben. Das bedeutet, dass nicht mehr die Natur des Kindes, auf die die aufklärerische Pädagogik im 18. Jahrhundert den Schwerpunkt legt, im Mittelpunkt steht, sondern dass es jetzt vielmehr um Herrschaft oder Zwang des Kindes geht. Das ist also der Widerspruch der Aufklärung. Wiecks Behauptung dagegen ist konsequent, dass man mit tiefer Innerlichkeit „schön und musikalisch“ Klavier spielen soll, und deswegen übt er Kritik an den mechanischen Übungen, die nur die Gleichheit der Menschen und rückhaltlose Identitäten produzieren würden. Seine Erziehungsmethode steht also andererseits eindeutig im Gegensatz zu der der „schwarzen Pädagogik“.
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