Departmental Bulletin Paper 18・19世紀の上部ドイツ語圏における言語規範意識 : 新聞と書簡・筆談帳における前置詞wegen の格支配を例にして
Zum Normbewusstsein im oberdeutschen Sprachraum im 18. und 19. Jahrhundert : Überlegungen anhand der Kasusrektion bei wegen in Zeitungen, Privatbriefen und Konversationsheften
18 19 セイキ ノ ジョウブ ドイツゴケン ニオケル ゲンゴ キハン イシキ : シンブン ト ショカン ヒツダンチョウ ニオケル ゼンチシ wegen ノ カクシハイオ レイ ニ シテ

佐藤, 恵

(21)  , pp.19 - 41 , 2017-03-01
ISSN:18817351
NCID:AA11187452
Description
In Sato (2015) hat die Verf. die historische Entwicklung der Rektion bei wegen aufgrund der Daten ihres „Gebrauchstexte-Korpus von 1520–1870“ untersucht. Als wichtigste Ergebnisse dieser Analyse lassen sich die folgenden Tendenzen feststellen: 1) Diatopik: Die Frequenz der Dativ-Variante in den Texten aus den oberdeutschen Sprachregionen ist statistisch signifikant höher als in denen aus den mittel- und norddeutschen Regionen. 2) Diachronie: Die Dativrektion nimmt nach 1800 plötzlich ab. Diese Abnahme des Dativs wird entscheidend durch die Verminderung der Dativ-Variante in den oberdeutschen Sprachregionen verursacht. Diese Feststellungen zeigen, dass – diatopisch gesehen – der oberdeutsche Sprachraum bei der Veränderung der Kasusrektion bei wegen nach 1800 eine wesentliche Rolle spielt, anders formuliert, dass das Sprach-bzw. Normbewusstsein bei oberdeutschen Autoren um 1800 eine entscheidende Veränderung erfährt. Auf das Normbewusstsein im oberdeutschen Sprachraum um 1800 soll sich die vorliegende Arbeit beziehen. Zur Präzisierung und Ergänzung der Ergebnisse des „Gebrauchstexte-Korpus” werden aus dem Zeitraum 1750–1850 einerseits als distanzsprachliche Texte Zeitungen und andererseits als eher nähesprachliche Texte Privatbriefe der Familie Mozart und Konversationshefte von Beethoven untersucht. Die Ergebnisse im Zeitungkorpus, nämlich die höhere Frequenz der Dativ-Variante aus der oberdeutschen Sprachregion und die Abnahme der Dativrektion nach 1800 in der Münchner-Zeitung sowie in der Wiener Zeitung, stimmen mit denen im „Gebrauchstexte-Korpus“ überein. Durch die kontrastive Analyse dieser Texte aus dem oberdeutschen Sprachraum lässt sich in Bezug auf das Sprachbewusstsein im oberdeutschen Sprachraum in der Zeit von 1750 bis 1850 insgesamt Folgendes ableiten: 1) Der häufigere Gebrauch des Dativs bei wegen in den Konversationsheften von Beethoven und in den Briefen von Leopold Mozart an seine Familie sprechen für die Nähesprachlichkeit der Dativvariante im damaligen oberdeutschen Sprachraum. 2) Der häufige Genitivgebrauch bei Leopold Mozart in seinen Briefen an Nicht-Familienangehörige in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließe sich auf seine hohe Schulausbildung zurückführen, die sich nachweislich an Gottscheds Grammatik ausrichtete. 3) Adelung schrieb in seiner Deutschen Sprachlehre zum Gebrauche der Schulen in den Königlich Preußischen Landen: „Es (= wegen) mit dem Dativ zu verbinden […] ist im Hochdeutschen fehlerhaft“ (Adelung 1781: 349). Seitdem ist die Dativrektion an unterschiedlichen Grammatiken und Wörterbüchern als ,fehlerhaft‘ bewertet worden. Die Genitivrektion war „im 19. Jahrhundert nicht in der Alltagssprache verwurzelt, sondern ein Merkmal gebildeter Schreibender“ (Elspaß 2005: 321). Beethovens Neffe Karl „sprach“ nun im frühen 19. Jahrhundert gegenüber seinem Onkel fast immer mit dem Genitiv. Dieser Neffe hatte sich möglicherweise unter dem Einfluss der an den Schulen vermittelten Normen das Sprachbewusstsein entwickelt, bei wegen sei der Genitiv normgerecht und also distanzsprachlich. In dem gleichen Kontext ließe sich der Genitiv-Gebrauch bei den Söhnen Mozarts als Ergebnis der erfolgreichen Rezeption der preußischen Norm verstehen. Reiffenstein (2009) bemerkt: „Die Basis für die schreibsprachliche Entwicklung aller Mitglieder der Familie Mozart bildete die oberdeutsche Tradition. […] Ziel der Entwicklung ist das neue Hochdeutsch Leipziger Prägung. Aber erst Mozarts Söhne sind an diesem Ziel angelangt.“ (Reiffenstein 2009a: 54). 4) Die große Veränderung der Kasusrektion bei wegen in den Zeitungen im oberdeutschen Sprachraum nach 1800, nämlich die Zunahme der Genitivrektion bzw. die Abnahme der Dativrektion, ließe sich auf die mehr oder weniger bewusste Orientierung der oberdeutschen Journalisten an der preußischen Sprachnorm zurückführen. Man dürfte dann annehmen, dass sich die Adelung’schen Regeln auch unter ihnen erfolgreich verbreiteten.
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