Departmental Bulletin Paper ドイツとオーストリアにおける言語計画の歴史 : 1871年前後の新聞における「ドイツ語」の言説に基づいて
ドイツ ト オーストリア ニオケル ゲンゴ ケイカク ノ レキシ 1871ネン ゼンゴ ノ シンブン ニオケル ドイツゴ ノ ゲンセツ ニ モトヅイテ
Zur Geschichte der Sprachplanung in Deutschland und Österreich : Analyse von Diskursen über die deutsche Sprache um 1871 in Zeitungen

鯨岡, さつき

(20)  , pp.19 - 45 , 2016-03
ISSN:18817351
NCID:AA11187452
Description
Im 19. Jahrhundert erfuhr der deutsche Sprachraum viele politische Veränderungen, wobei das größte Ereignis wohl die Gründung des deutschen Reichs im Jahr 1871 darstellte. In der vorliegenden Arbeit handelt es sich um die Analyse der damaligen Diskurse über die deutsche Sprache, d. h. darum zu klären, in welchen Kontexten man zu dieser Zeit die deutsche Sprache thematisierte. Zu diesem Zwecke sollen deutsche und österreichische Zeitungsartikel in der Zeit von 1866 und 1876, also aus der Zeit der Staatsgründung des deutschen Reiches, herangezogen werden.Die meisten der in den Artikeln vorkommenden verschiedenen Diskurse zur deutschen Sprache lassen sich unter dem Begriff „Sprachplanung“ zusammenfassen, worunter „Soziolinguistische bzw. politische Maßnahmen zur Lösung von Kommunikationsproblemen“ (Bußmann 2002) verstanden werden. Im Anschluss an die Dreiteilung der Sprachplanung von Cooper (1989), die das Modell von Haugen (1987) modifiziert hat, soll in dem vorliegenden Aufsatz bei der Analyse der sprachlichen Diskurse zwischen „Sprachstatus“ (Rolle bzw. Status der Sprache in der Gesellschaft), „Sprachkorpus“ (Wahl von Schrift, Orthographie, Lautstruktur, Wortschatz, Grammatik sowie Stil) und „Sprachverbreitung“ (vor allem Vermittlung von Sprache durch die Schule) unterschieden werden.Aus der quantitativen Perspektive lässt sich bei den Diskursen in den Artikeln zwischen 1866 und 1876 feststellen, dass Sprachplanung, und zwar deutscher Sprachstatus und deutsche Sprachverbreitung, in Österreich viel häufiger erörtert wurde als in Deutschland, was darauf zurückgeführt werden kann, dass die Österreichisch-Ungarische Monarchie 1867 als ein Vielvölkerstaat gegründet worden war. Knapp 50 Prozent der Bevölkerung waren in der damaligen Monarchie slawischen Ursprungs, danach folgten die Deutschen, und es gab auch Magyaren, Rumänen usw. Deshalb versteht es sich von selbst, dass es in diesem Land zu Konflikten zwischen der deutschen Sprache und den anderen Sprachen kam, was in den Artikeln gern thematisiert wurde.Das Wort Fremdwort, das einen bestimmten Teil des Wortschatzes bezeichnet und damit die Wortwahl, also die Kategorie „Sprachkorpus“, betrifft, erschien in den untersuchten Zeitungsartikeln von 1866 bis 1876 – z. B. in Zusammenhang mit seinem Gebrauch in „Volks- und Fortbildungsschulen“ – zwar nicht selten. Wenn wir aber mit Hilfe von „Google Books Ngram Viewer“ den chronologischen Makro-Wandel der Vorkommenshäufigkeit dieses Wortes recherchieren, zeigt sich, dass Fremdwort in den 1880er Jahren den Höhepunkt der Erwähnung erreichte. Der Allgemeine Deutsche Sprachverein, die größte Vereinigung gegen den Einfluss von Fremdwörtern in der Sprachgeschichte der deutschen Sprache, wurde denn auch im Jahr 1885, also vierzehn Jahre nach der Gründung des Deutschen Reichs, in Braunschweig gegründet.
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