Journal Article シラー『ドン・カルロス』を読む : 他者の壁,思い込みと読み違えの悲劇
Der schwierige Text Don Carlos

武田, 智孝

(30)  , pp.49 - 64 , 2017-10-31 , 広島独文学会
NCID:AN10092261
Description
Prinz Carlos, der sich dank „Lermas unglückliche(r) Dienstfertigkeit“ irrtümlich von dem Einzigen (Posa) verlassen wähnte, wirft sich der Fürstin Eboli in die Arme, „in eines Teufels Arme“. Von einer schlimmen Ahnung getrieben folgt ihm Posa. „Zu spät./ Du liegst zu ihren Füßen. Das Geständnis/ Floh über deine Lippen schon. Für dich/ Ist keine Rettung mehr“. Dagegen wendet Carlos sofort ein: „Nein! Nein!“ Man könnte erwarten, dass Carlos dann sagen wird: „Nein! Nein! Ich habe kein Geständnis gemacht. Du irrest dich.“ Er hat nämlich Eboli nur gebeten: „auf meinen Knien/ Beschwör ich dich [...] laß mich/ Mit meiner Mutter sprechen.“ Dem „Nein! Nein!“ folgt aber „Sie (Eboli) war/ Gerührt. Du irrest dich. Gewiß war sie/ Gerührt.“ Schiller weicht unserer Erwartung raffiniert aus, oder will uns verwirren, um einen Defekt zu verhehlen. Bei Posas Glauben: „Zu spät./ [...] Das Geständnis/ Floh über deine Lippen schon. Für dich/ Ist keine Rettung mehr“ handelt es sich um eine irreale Einbildung. Erstens ist Eboli nicht mehr gefährlich, kein „Teufel“ mehr, weil Posa selbst sie demaskiert hat, indem er den König ihren Liebesbrief an Carlos in der Brieftasche entdecken ließ, sodass Eboli keinen Einfluss mehr beim König hat. Zweitens behält Posa Elisabeths geheimzu- haltende Briefe an Carlos in seiner Innentasche sicher und drittens von der „Rebellion“, an der Carlos teilnehmen soll, weiß er nichts, da die Besprechung mit der Königin noch nicht stattgefunden hat. Also keine bedenklichen Geheimnisse, die über Carlos̕ Lippen fliehen dürften. Posa hat keinen Grund zu sagen „kein Ausweg – keine Hülfe [...] Verzweiflung [...]“ , auch keinen Grund, den Falschbrief an Graf von Oranien nach Brüssel zu schicken und unterwegs abfangen zu lassen, um Zeit zu gewinnen und Carlos nach Flandern flüchten zu lassen, indem Posa selbst im Brief der Schuldige zu sein scheint und den König und den Hof in ein großes Wirrwarr stürzt. Ein Irrtum Schillers (wie Carlos den Liebesbrief Ebolis für den Elisabeths hält, denn „Noch hab ich (hat er) nichts von ihrer [Elisabeths] Hand gelesen“, was nicht der Fall ist.) oder eine Täuschung Posas? Wenn es nicht des Dramatikers Fehler ist, auf welche Weise könnte erklärt werden, wie sich solch eine kluge Figur wie Posa so etwas Falsches einbilden konnte? Die einzige mögliche Erklärung wäre die Äußerung der Königin: „Sie stürzten sich in diese Tat, die Sie/ Erhaben nennen. Leugnen Sie nur nicht./ Ich kenne Sie, Sie haben längst darnach/ Gedürstet – Mögen tausend Herzen brechen,/ Was kümmert Sies, wenn sich Ihr Stolz nur weidet./ O, jetzt – jetzt lern ich Sie verstehn! Sie haben/ Nur um Bewunderung gebuhlt.“ Das könnte die irreale Einbildung Posas, wenn auch nicht so überzeugend, leidlich begründen. In „Briefe über Don Carlos“ weist Schiller auf die Problemathik des leidenschaftlich idealistischen Weltverbesserers hin. Dazu gehört m. E. auch die Täuschung hier. In diesem Stück wird auch Posa manchmal karikiert und kritisiert, indem seine Worte bald überschwenglich, bald abnorm klingen. Der Königin gegenüber spricht er kritisch von „falschem Heldenmut“, was aber hier ironisch wie ein Bumerang zu ihm selbst zurückfliegt und ihn trifft.
Full-Text

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