紀要論文 種としての人間のゆくさき : フロイト、ラマルク、レム

中村, 靖子  ,  NAKAMURA, Yasuko

63pp.55 - 76 , 2017-03-31 , 名古屋大学文学部
ISSN:0469-4716
内容記述
In der vorliegenden Arbeit untersuche ich, wie Stanislaw Lem in seinem Zukunftsroman die einst vorgeschlagenen und nun „historisch“ gewordenen wissenschaftlichen Theorien freiwillig spielen läßt und so deren Tragweite möglichst erweitern konnte. Auf der Basis der „Dissolutions-Theorie“ von Hughlings Jackson und dem Konzept der Modifikationen von Chalton Bastian entwickelte der frühe Freud seine Idee der „Rückbildung“, der „Dis-involution“. Die Verletzund Zerstörbarkeit des Nervensystems und die Stärke der Kraft, die den Organismus zur Dis-involution führt, bringen ihn auf den Gedanken, Lebewesen tendierten letzten Endes darauf hin, den Zustand der Leblosigkeit, den Tod zu erreichen. Dabei zeigen die vielfältigen Schädigungen des Nervensystems ebenso vielfältige Symptome: Deshalb sagt Freud, wenn er in Jenseits des Lustprinzips (1920) den Todestrieb beschreibt, daß jeder Organismus offenbar nur auf seine eigene Weise sterben wolle. Lamarck schließt aus der Beobachtung, dass die einfachsten Organismen anfangs weder Nerven noch Sinnesorgane und also auch keine Sensitivität haben, sondern diese erst die komplizierteren bekommen, als ob die Natur mit einem einfachsten beginnen müssen und nur so stufenweise die immer komplizierteren schöpfen können, daß das Physische und das Moralische eine gemeinsame Quelle haben und deshalb aufeinander einwirken müssen. Darauf beruht sein Konzept der „Bedürfnisse“, die die Organe hervorbringen und sie dann der Umwelt entsprechend modifizieren sollen. Der Körper bestehe neben dem Zellgewebe aus „Nervenfluida”, die „sich Wege, Lagerstätten und Ausgänge bahnen, so daß sie hier Kanäle und folglich verschiedene Organe bilden“. Die Idee des „Nervenfluidums“ wurde später verworfen, so daß der Terminus wie der des „Äthers“ nur noch historische Bedeutung besitzt. Setzt man aber den Freudschen Affekt an Stelle des Lamarckschen Fluidums, so entsprechen dessen Funktionen genau dem Hysterie-Mechanismus, wie Freud ihn beschreibt. Davon ausgehend denkt Freud, man könne die Lamarckschen „Bedürfnisse“ psychoanalytisch als „den Glauben an die »Allmacht der Gedanken«“ erklären. Wenn diese Erklärung gelänge, wäre die Psychoanalyse vollendet. Der polnische Schriftsteller Stanislaw Lem sieht in der Gattung der Sience-Fiction „eine ungeheure Manövrierfreiheit im Raume der Spekulation“. Diesen Frei-Raum macht er sich zu Nutze, um alle möglichen wissenschaftlichen Theorien, alte und neue, vergessene und neueste, verleugnete und weithin anerkannte, vorzuführen, zu variieren, neu zu deuten und zu bewerten. Zu seinen liebsten Theorien zählen die Evolutionstheorie und die Psychoanalyse. In seiner Erzählung „Die Lymphatersche Formel“ (1969) beschäftigt sich der Mathematiker Lymphater mit zwei Fragen: Die erste lautet: „Warum ist die Evolution steckengeblieben?“. Warum entwickelten sich die Vögel und die Insekten nicht weiter, obwohl sie fertiges Wissen mit zur Welt bringen und fast nichts lernen müssen? Und zweitens: „Warum hätte die Evolution ihre eigenen Gebilde töten sollen?“. Nach der Ansicht Lymphaters besitzen die Insekten nur Organe, die ihre Vorstufen auch schon haben, höchstens dass sie in verbesserter, d. h. modifizierter, Form vorlägen. Schließlich macht er die Entdeckung, daß das Optimum der Reaktion, durch die ein Organ für den Gattungscharakter entscheidend (ich meine, im Fall die Verbesserung entscheidend sei, dass man die verbesserte von den früheren unterscheidet und als eine andere, neue Gattung erkennt.) verbessert und der Aufstieg auf höhere Stufen der animalischen Ordnung ermöglicht wird, nicht mehr innerhalb der Grenzen des Lebens liegt, sondern im toten Eiweiß, also jenseits des Lebens, im Bereich des Todes. Er erkennt dabei zugleich, daß tief in unserem Gedächtnis, in den phylogenetisch ältesten Gehirnteilen, die Spur des Untergangs der Gattung unserer Vorstufe eingeprägt ist. Als es Lymphater am Ende gelingt, seinen „Apparatus Universalis Lymphateri“ zu vollenden, kommt ihm der Verdacht, der Mensch sei nur dazu Vorspiel gewesen und eine Art Einleitungsphase, in der die natürliche Evolution sich seiner Vernunft bedient habe, da sie selber ohne Vernunft sei. Daraufhin zerstört Lymphater seinen Apparatus, sein eigenes Werk, eigenhändig. Auf diese Weise gelingt es Lem, die Evolution, wie Lamarck sie erklärte, mit dem „Todestrieb“ Freuds zusammenzuführen. In diesem Sinne konnte Lem den Todestrieb über den Tod hinaus utopisch entwickeln.
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