紀要論文 「監獄はただ心の中に……」 : マックス・フリッシュのスイス批判

中村, 靖子  ,  Nakamura, Yasuko

61pp.53 - 70 , 2015-03-31 , 名古屋大学文学部
ISSN:0469-4716
内容記述
Frischs Stiller (1954) gilt als Nachfolger von Kafkas Proceß. In Stiller geht es um die justitia forensis des Protagonisten, der sowohl Angeklagter als auch Berichterstatter ist. Er weigert sich, Stiller zu sein, und solange er das tut, dauert der Prozeß und er muß im Gefängnis bleiben. Die Ungewissheit, ob es sich bei ihm tatsächlich um Stiller handelt oder nicht, verschafft ihm eine Narrenfreiheit, aus der heraus er seine Kritik an den Schweizern entwickelt. Deren Freiheit sei keine eigentliche und sie seien nicht freier als er, der im Gefängnis sitzt. Denn für Stiller bedeutet das Gefängnis durchaus eine innere Realität, gerade weil er vor sich selbst fliehen möchte. Sein amtlicher Verteidiger Bohnenblust sammelt zwar Fotos und andere Fakten über den verschollenen Anatol Stiller und ruft seine Freunde und Bekannten herbei um Stiller dadurch dazu zu bringen, die Vergangenheit von Anatol als seine eigene anzunehmen, aber Stiller zeigt sich dazu weder bereit noch in der Lage. Daraus kann man zwei Leitfragen ableiten: die Frage nach der Freiheit einerseits und die nach der Diskrepanz zwischen den offiziell überprüfbaren Dokumenten und den ganz privaten Erinnerungen des Protagonisten andererseits. Frisch nimmt die erste Frage in Wilhelm Tell für die Schule (1971) wieder auf, indem er den „bösen" Vogt zum „Gegenbild des offiziösen Denkens jetzt und hier" macht. Diese Erzählung hat eine legendenartige Haupthandlung, deren Fluß durch viele lange Fußnoten immer wieder unterbrochen wird. Der Vogt wurde als Symbol der bösen Macht angeschossen und spielt bei der Entstehung der Freiheit eine Rolle als Anti-Held, aber während ihm bei Schiller die Glorie des Mythos nicht zuteil wird, macht Frisch den Vogt zum Protagonisten des Tell-Mythos und stellt ihn dem grobschlächtigen Landmann Tell als kultivierten Herrn gegenüber. In den Fußnoten, die bei Frisch die Haupthandlung konterkarieren, werden die „bösen" Taten des Vogts nicht nur relativiert, sondern sogar gerechtfertigt, da sie den damaligen Sitten und Gesetzen gemäß gewesen seien; auch der Vogt wird einfühlsam und sympathisch geschildert. Der Haß der Dörfler gegen diesen nicht-einheimischen Beamten findet zum Beispiel in Frischs Tagen eine Entsprechung im Abscheu der Schweizer gegenüber den Gastarbeitern. So betrachtet ist die Rütli-Eidgenossenschaft nur das zufällige Produkt eines reaktionären Bauernaufstandes, kein weltanschauliches. Bei Frisch stirbt der Vogt einen absurden Tod, und der sogenannte Mythos ist für ihn letztendlich nur eine „Individualgeschichte". „Was ich durch die Fußnoten in der historischen Verkleidung kritisiere, sind die Mentalitäten, die eben auch unsere heutige Situation bestimmen", sagt Frisch über seine Tell-Erzählung. In seinem letzten literarischen Werk Blaubart (1982) kehrt Frisch wieder zur Form der justitia forensis und zum Gegensatz zwischen offiziellem und individuellem Gedächtnis zurück - beziehungsweise zu einem "inoffiziellen Gegengedächtnis", um einen Ausdruck von Aleida Assmann zu verwenden. Nach seinem Freispruch führt Schaad alias „Ritter Blaubart" die Ermittlungen gegen sich selbst weiter, bald in der Stadt, bald in seiner Wohnung, oder auch im Traum. In seinem alltäglichen Leben ist er unentwegt der Vergangenheit und seiner früheren Tat, von der außer ihm niemand etwas weiß, verhaftet. Er leidet immer an schlechtem Gewissen und kann sich deswegen niemals frei fühlen - denn auch wenn ihn niemand mehr vernehmen will, fühlt er sich doch genötigt, sich und seine ganze Vergangenheit ins Verhör zu nehmen. Sein Leben stellt eine Variante zu dem Stillers nach dem Freispruch dar und ist ein praktisches Beispiel für dessen Wort: „das Gefängnis ist nur in mir". Auch hier wird hinter der Gestalt des freigesprochenen und dennoch unfreien Mannes die Kritik an der Schweiz und ihrem Freiheitsverständnis sichtbar: die Kritik an ihrem Selbstbild als der weltgeschichtlich gesehen ersten Nation, die die „Freiheit" erlangte, obwohl es sich damals wie heute nur um Freil1eit im Sinne staatlicher Souveränität handelt.
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